Landschaft Eiderstedt
Eiderstedt:
Die Halbinsel Eiderstedt liegt an der Westküste
Schleswig-Holsteins nördlich der Eidermündung und grenzt mit
drei Seiten an den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches
Wattenmeer.
Die Entstehung Eiderstedts wurde vor allem durch nacheiszeitlichen
Meeresspiegelanstieg und unterschiedliche Sedimentationsvorgänge
geprägt. Um 1000 n. Chr. war Eiderstedt aufgeteilt in die Inseln
Westerhever und Utholm im Westen und eine größere Insel
(Teile der alten Insel Eiderstedt und Evershops mit der hohen Marsch am
Eiderufer und der Gardinger Nehrung) im Osten. Von der Festlandsgeest
waren die Inseln durch ein Moor getrennt.
Eiderstedt
Zur ehemaligen Insel Utholm:
Der Südwestteil der heutigen Halbinsel Eiderstedt im Kreis
Nordfriesland war bis mindestens 1231 n. Chr. eine natürlich
entstandene Barriere-Insel. Erst danach wurde die Insel „Utholm“ durch
die Abdämmung der Süderhever (d. h. Bau von Kögen) mit
der Hauptinsel Everschop /
Eiderstedt verbunden. Im Bereich Utholm liegen die Orte Bad St.
Peter-Ording und Tating. Mit 2,3 Millionen Übernachtungen / Jahr
ist St. Peter-Ording nach Westerland der bedeutendste Ferien- und
Kurort Nordfrieslands.
Gräben konservieren ehemalige
Prielverläufe:
Die Entstehung der Landschaft ist eng verbunden mit dem Wattenmeer,
dessen Spuren noch heute in der Landschaft zu finden sind. Für die
Entwässerung und Feldeinteilung des bedeichten Landes nutzten die
Siedler der alten, natürlich entstandenen Marschgebiete das
vorhandene, gewundene Prielnetz, das durch geradlinige
Gräben ergänzt wurde.
konservierter Prielverlauf
Die entstehenden Flurstücke weisen charakteristische
unregelmäßige Formen auf, eine sogenannte „Blockstruktur“.
Diese tritt nur in wenigen alten Marschen auf, besonders in Tating, St.
Peter-Ording, Westerhever,
Garding-Leegesee und Teilen Pellworms.
Diese mittlerweile 1000 Jahre alten Gräben sind in hohem
Maße erhaltenswert: Zum einen sind sie charakteristische Spuren
der Meeresvergangenheit der Landschaft, zum anderen ergaben
ökologische Untersuchungen, daß in ihnen besonders viele und
teilweise seltene Arten siedeln.
Eiderstedter Haubarg:
Der „Eiderstedter Haubarg“ ist eine Bauernhausform des späten 16.
Jahrhundert, die fast ausschließlich auf Eiderstedt vertreten
ist. Die Bauweise orientierte sich notwendigerweise an dem, was die
Landschaft bot: Wenig Holz und viel Reet. Typisch ist das hohe,
vierseitige
Dach, das von vier bis acht Innenständern getragen wird. Die
Ständer-Konstruktion kommt im Vergleich zu der andernorts
üblichen Fachwerk-Bauweise, bei der auch die Wände tragende
Funktion haben, mit wesentlich
weniger Holz aus.
Während der Kuhstall dieser Gebäude nicht mehr
Tieren Platz bot als in den größeren der vorher
üblichen Friesischen Langhäuser, fiel der Stall für die
Ackerpferde deutlich größer aus. Kernstück der
Gebäude ist der mittige geräumige Stapelraum neben einer
befahrbaren Dreschdiele. Mit dem Aufkommen dieser Bauernhausform wird
daher für Eiderstedt eine deutliche Zunahme des Ackerbaus in
Verbindung gebracht.
Auf dem Bioland-Betrieb "Hamkenshof" in Tating können Sie Ferien
machen:
Grüppenstruktur
Alte Dauergrünlandflächen weisen noch die für
Marschen typische
Begrüppung auf. Sie sind in regelmäßigen Abständen
von
flachen “Grüppeln” durchzogen, die Flächen in schmale
“Äcker” einteilen. Die der oberflächlichen Dränage
dienenden Grüppel wurden, durch regelmäßiges Aufgraben
instandgehalten.
Die Existenz der Grüppel hängt zudem vermutlich mit dem
bis ins letzte Jahrhundert als Meliorationsmaßnahme
durchgeführten “Winterkleien” zusammen: Hier wurden tiefe
Gräben ausgehoben,
um an die kalkreichen Sande zu gelangen, die sich unterhalb der
Stauschicht der Knickmarsch befinden. Grünland mit
Grüppelstruktur ist schwerer zu mähen, da es häufig zu
Schnittverletzungen in der Narbe kommt. Aus Sicht der Artenvielfalt ist
die Grüppelstruktur
positiv zu beurteilen, da sie zu einer Zunahme der
Kleinlebensräume mit unterschiedlicher Sonneneinstrahlung und
Feuchtigkeit führt.
Traditionell ist Eiderstedt ein eher extensiv genutztes
Grünlandgebiet mit hoher Bedeutung für Wiesenvögel,
Amphibien und bestimmte Pflanzengesellschaften.
Wiesenkerbel in einer
Kammgras-Weide
Extensive Bewirtschaftung ebenso wie die historischen Strukturen sind zunehmend bedroht durch Intensivierung der Landwirtschaft, die noch forciert werden durch aktuell stattfindende Veränderungen der EU-Agrarförderpolitik.
Moorfrösche bei der
Balz
Gehölzarme, möglichst extensiv genutzte
Grünlandgebiete sind sehr attraktiv für Wiesenvögel.
Kiebitz (landes- und bundesweit gefährdet), Austernfischer,
Rotschenkel (landesweit gefährdet), Großer Brachvogel
(landes- und bundesweit stark gefährdet) und Uferschnepfe (landes-
und bundesweit stark gefährdet) treten hier alljährlich auf
und beginnen zumindest mit der Brut.
Kiebitzgelege im
Grünland
Die Wiesenbrüter meiden Bebauung, Gehölze sowie vielbefahrene Straßen. Empfindlich reagieren sie auch auf Fußgänger und insbesondere auf freilaufende Hunde, besonders in der Frühzeit der Brut.
Katinger Watt:Seit 1973 trennt ein Sperrwerk die zuvor offene Mündung der
Eider
vom Wattenmeer. Gleichzeitig mit dem Bau der Abdämmung wurde
eine Hälfte des Mündungsgebietes in einen von
Süßwasser geprägten Koog umgewandelt, das heutige
"Katinger Watt". Wo einst zweimal täglich die Flut über
Muscheln und Wattwürmern
auflief, sind heute Überschwemmungswiesen, Stillgewässer,
Laubforste,
Schilfröhrichte und Äcker zu finden.
hier geht´s zum virtuellen Katinger Watt
Das Katinger Watt ist Produkt eines der größten
Eingriffe in das Fließgewässer-System der Eider und Ausdruck
für den Umgang des Menschen mit der Natur. Trotzdem stellt
sich das Katinger Watt heute wieder als ein aus Naturschutzsicht
wertvoller und vielfältiger Lebensraum mit einer artenreichen
Tier- und Pflanzenwelt dar.
Das NABU-Naturzentrum Katinger Watt (Lisa Hähnle Haus) zeigt, wie sich die Natur unter Einfluss des Menschen entwickelt und bietet ganzjährig verschiedenste naturkundliche Führungen an.